Die "Fraen a Mammen Berdorf" unterstützen eine junge Medizinstudentin die in Afrika in einem Waisenhaus Entwicklungshilfe leistete. Mit einer Spende konnte hier eine Küche eingerichtet werden. Diese wurden mit den Mitteln gebaut die vor Ort zur Verfügung standen. Natürlich stellt man sich unter Küche bei uns etwas anderes vor, jedoch eine Feuerstelle mit einem Überdach bedeutet für das Weisenhaus, den absoluten Luxus. Jetzt kann auch bei schlechtem Wetter gekocht werden, anders wie bisher, wo die Kinder dann dasEssen kalt zu sich nehmen mussten.


22.09.08 Internationaler Freiwilligendienst in Ghana/ Westafrika

Juli 2007- Juni 2008

Bericht von Sabine Fandel


Ich, Sabine Fandel, bin am 1.07.07 für etwa ein Jahr nach Ghana gegangen. Ich hatte mich entschieden als Internationale Freiwilligendienstlerin unter Experiment e.V. in Deutschland und IYEP ( International Youth Education Program) in Ghana  in einem Krankenhaus in Accra, der Hauptstadt Ghanas, ehrenamtlich und völlig unentgeldlich zu arbeiten. Während meines Aufenthaltes war ich in einer Gastfamilie untergebracht.

Die ersten Wochen waren, wie erwartet, nicht gerade einfach. Die Hitze, das Chaos auf den Straßen und die ungewohnte Umgebung, in der ich mich kaum zurechtfand, machten mir zu schaffen.

Da ich in Deutschland auf dem Land aufgewachsen bin und noch nie zuvor in einer Großstadt gelebt hatte, war dies für mich völliges Neuland. Darüber hinaus sind Großstädte in Afrika nicht mit unseren europäischen Großstadtmetropolen, die als Industrie- und Handelszentren international agieren, vergleichbar. In Accra leben etwa 2 Mio. Einwohner, in ganz Ghana 22 Mio.

Da Ghana ehemalige britische Kronkolonie ist, ist die Amtssprache Englisch, etwa 60 % der Bevölkerung spricht und versteht die englische Sprache. Neben Englisch werden  4 andere Hauptsprachen gesprochen, deren Ursprung in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Stämmen liegen. Diese Sprachen teilen sich wiederum in verschiedene Dialekte. In Ghana leben rund 50 Ethnien und jede hat ihre eigene Geschichte, Kultur und Sprache. Oft findet man sich in einem Wirrwarr verschiedener Sprachen wieder ohne auch nur einen blassen Schimmer zu haben, worum es sich nun eigentlich dreht. Accra ist heiß, hektisch, staubig, dreckig und chaotisch. Das Stadtzentrum ist relativ gut ausgebaut, doch etwa 5- 10 km vom Stadtkern entfernt wird die Infrastruktur zusehend schlechter und nur noch die wichtigsten Straßen und Zufahrtswege sind geteert. Straßennamen existieren häufig nicht.

Ich habe in einem Stadtteil etwa ein bis anderthalb Stunden von dem privaten „Lapaz Community Hospital“ entfernt gelebt, dort arbeitete ich die ersten 4 Monate. Meine Familie und ich wohnten in einem kleinen Haus mit 4-5 Familienmitgliedern zusammen-  meine Gastmutter, Elizabeth, meine Schwester Nana (25 Jahre), Sir Leonel (16 Jahre) und meist im Internat, Mac Patrice (12 Jahre) und ich. Es war eine recht schöne und ruhige Wohngegend. Ich verstand mich von Anfang an sehr gut mit meiner Gastfamilie und fühlte mich dort zu Hause. Sie haben mir bei schweren Situationen im Krankenhausalltag viel Rückhalt gegeben und Mut zugesprochen.

Meine Aufgaben im Krankenhaus bestanden hauptsächlich aus Tätigkeiten, die auch in den Arbeitsbereich einer Praktikantin oder Schwesternschülerin gehören. Ich kümmerte mich unter anderem um das Messen der Vitalfunktionen, Betten machen, sauber machen, ich assistierte den Schwestern und Ärzten, machte Botengänge, sortierte Akten und half bei der Aufnahme der Patienten. Überall wo ich helfen konnte, half ich und versuchte mit meiner Hilfe einen kleinen Unterschied zu machen. Mir wurde schließlich schnell klar, dass meine Hilfe lediglich eine Ergänzung war, nicht aber dringend gebraucht wurde. Das war auch gut so, denn so war es oft einfacher für mich, die Dinge trotz aller Ernsthaftigkeit etwas gelassener und weniger verbissen zu sehen.

Anfang Dezember musste ich dann meine Gastfamilie wechseln und entschied mich darüber hinaus auch zu einem Wechsel des Arbeitsplatzes. Der Hauptgrund war wohl, dass das Krankenhaus in Lapaz  klein war und ich am Ende der 4 Monate wenig bis kaum Fortschritte im Lernprozess gemacht habe, da ich alle Arbeitsabläufe weites gehend kannte.

In meiner 2. Gastfamilie waren die Lebensumstände weniger gut als in der ersten. Das heißt, es war sehr wenig Platz, ich musste mir mit meiner Gastschwester sogar ein Bett teilen und war in puncto Mahlzeitenzubereiten voll auf meine Familie angewiesen, da hier nur auf Feuerstellen gekocht wurde und nicht wie zuvor auf einem Gasherd. Trotz allem gelang es mir auch hier durch die Herzlichkeit und Fürsorge aller Familienmitglieder schnell Fuß zu fassen und mich auch dort wohl zu fühlen.

Vor allem David, der 5 jährige Sohn meiner zweiten Gastschwester, und sein damals 2 Monate altes Brüderchen Michael schafften es natürlich mein Herz im Sturm zu erobern. Auch der Wechsel des Arbeitsplatzes in das staatliche „La General Hospital“ tat mir gut und ich lernte viele neue Leute und Patienten kennen.

Die Arbeit im Krankenhaus war nach wie vor oft eine psychische Belastung, da man sich schwer mit der schlechten medizinischen Versorgung abfinden will und immer wieder den Vergleich zum westlichen Standard zieht. Nach etwa 9 Monaten im Krankenhaus entschied ich mich, dieses Projekt abzuschließen und nahm mir vor, mich in der restlichen Zeit in einem der zahlreichen Waisenhäusern Ghanas zu engagieren.

Ein ghanaeischer Freund, der enge Kontakte mit dem Jugendamt in der Eastern Region nördlich von Accra hatte, half mir dabei, dort ein bedürftiges Waisenhaus zu finden. Wir verschafften uns einen Überblick über insgesamt 4 Waisenhäuser die etwa 2-3 h von der Hauptstadt entfernt liegen und entschieden uns schließlich dazu das „Hour of Grace“ Waisenhaus in Huhunya zu unterstützen. Die neuen Gebäude des Waisenhauses wurden mit Hilfe von spanischen Freiwilligen im Januar dieses Jahres fertig gestellt. Man hatte zwar einen Raum im Hauptgebäude als Küche nutzen wollen, dies erwies sich aber als nicht sinnvoll, da der Rauch des Feuers und die Hitze das Gebäude in Mitleidenschaft gezogen hätten. Also wollten wir ein separates Küchengebäude bauen, was vor allem das Kochen auch bei Regen möglich machen sollte. Bis dato wurde vor allem draußen im Freien unter 2 Mangobäumen gekocht.

Im Waisenhaus leben etwas mehr als 50 Kinder im Alter von 1 bis 17 Jahren. Das Haus wird von Lawrence und seiner Ehefrau geleitet, sie sind der Elternersatz für die rund 50 Kinder. Das Waisenhaus ist zwar weitgehend eigenständig, da Lawrence Bauer ist und das Land um das Haus landwirtschaftlich nutzt und sie darüber hinaus über ein Taxi und ein Trotro verfügen, die im öffentlichen Verkehr genutzt werden und täglich etwas Geld einbringen, größere Projekte wie den Bau der Küche können sie jedoch nicht aus eigener Kraft finanzieren.

Innerhalb von etwa 2 Wochen gelang es uns die Küche und Hasenkäfige aufzubauen. Die Käfige sollten den Grundstein für eine kleine Hasenzucht bilden, die auch zur Sicherung der Existenz des Waisenhauses beitragen soll. 4 Tage vor meinem Abflug fuhren wir gemeinsam 5 Hasen kaufen und es war sogar möglich den Kindern von restlichen Spendengeldern 4 neue Trommeln zu kaufen.

Damit schloss ich am 4.06.08 das Projekt Küchenbau im „Hour of Grace“ ab. Der  Bau der Küche inkl. des Baus der Käfige kostete 1185,50 Ghana Cedis, etwa 790 Euro. Hinzu kamen Kosten für Nahrungsmittel, Krankenhausrechnungen, Transport, Babysachen wie beispielsweise Pampas, die Trommeln und die Hasen.

Die Zukunft des Waisenhauses sieht gut aus, da vor allem die Spanier das Waisenhaus immer noch aktiv unterstützen. Etwa einen Monat nach meiner Abreise kamen sie zurück, um weitere Projekte in Huhunya ins Leben zu rufen.

Ich bedanke mich hiermit im Namen von Lawrence Gbengor und seiner Frau Janet, sowie 50 wundervollen Kindern.

Herzlichst,

Sabine Fandel

 

Bei Rückfragen stehe ich jederzeit zu Verfügung:

Sabine Fandel

In der Ai 16
54636 Brecht

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Tel. 06527/1231
Mobil. 0160/5536096

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